Einhaltung der REACH-Verordnungen der EU: Schwermetalle in Artikeln


#1

L.K.

wurde von euch auch einer diesbezüglich von Amazon angeschrieben? Wenn ja, wo bekomme ich das Dokument für die Erklärung her, ich konnte das leider nicht finden?

https://sellercentral.amazon.de/gp/help/help.html?itemID=9MJWDA8TTMZFAXE


#2

Hau einfach 'ne Konformitätserklärung raus. Soll ja laut deinem Link reichen, wenn der Artikel nicht durch irgendeinen Test vom Amazon oder einer Behörde durchgerasselt ist.

Falls doch: Lässt du sowas nicht prüfen? Ich lasse das immer bei Intertek machen, komme aus der Kategorie “Küche und Haushalt”. Elementmigration muss da mit verschiedenen “Food Stimulants” (also Wasser, Säure, Fett, etc.) geprüft werden. Das ist dann so ähnlich wie dein Fall. Nur dass bei dir das Produkt selbst untersucht wird. Wenn du in der EU verkaufst, musst du zumidest eine Konformitätserklärung erstellt haben. Für deren Richtigkeit haftest du aber natürlich. Wenn du deine Produkt dann aber nicht getestet hast und es knallt, dann knallt es richtig.

Du bewegst dich da auf gefährlichem Terrain.

EDIT: Geht natürlich nur, wenn du der Hersteller bist. Ansonsten haust du den an. Beim hier so allseits beliebten Private Labeling bist du de jure der Hersteller.


#3

Sorry, eben erst gesehen, dass wir hier bei Handmade sind. Vergiss meinen Beitrag.


#4

Hallo!
Ich wurde heute angeschrieben und habe die in der Mail genannten Artikel entfernt, da ich keinen Nachweis habe. Das verwendete Material habe ich vor einigen Jahren erworben. Ich weiß nicht, was eine Untersuchung mit Test auf Nickel, Cadmium, Blei kostet, werde mich da aber mal kundig machen.


#5

Ich habe das Schreiben auch bekommen und ich denke, wir müssen einfach selbst erklären, dass unser Material keine Schwermetalle enthält oder? Hat jemand das vielleicht schon gemacht und kann uns bei dem Schreiben helfen?


#6

Das Problem ist, dass man nicht genau weiß, ob und welche Mengen Nickel, Cadmium, Blei enthalten sind. Wenn man einfach eine Konformitätserklärung abgibt und eine Überprüfung stattfindet mit dem Ergebnis, dass die Richtwerte nicht eingehalten werden, ist das schlecht (siehe Guenthers Beitrag).


#7

…und wenn irgendetwas passiert (z.B. Vergiftung) und du wirst verklagt, geht es erst richtig los!
Wahrscheinlichkeit ist gering, kann aber dein ganzes Leben versauen.


#8

Ich verstehe nicht so ganz wohin die Erklärung geschickt werden soll? An den Amazon - Verkäuferservice? Soweit ich verstanden habe soll man nur die Testergebnisse an die engländische Mail Adresse geschickt werden, falls es Beanstandungen gibt?


#9

Also ich lese das so, dass das auch an die UK-Mailadresse geschickt werden muss.

Wie beantrage ich die Freischaltung oder Reaktivierung meiner ASIN?

Wenn es sich bei Ihrer ASIN um Schmuck und Schmuckimitate handelt (siehe oben) oder sie einem physischen Test unterzogen wurde und zusätzliche Unterlagen benötigt werden, erhalten Sie eine E-Mail mit detaillierteren Anweisungen. Wenn Sie diese Produkte in diesem Fall bei Amazon verkaufen oder weiterhin verkaufen möchten, senden Sie bitte die folgenden Informationen an eu-chemical-safety@amazon.co.uk:

  • Name des Unternehmens
  • Verkäufer-/Händler-ID
  • E-Mail-Adresse
  • Telefonnummer
  • EU-Marketplace-Sites, auf denen Sie Ihre ASINs weiterhin anbieten möchten
  • Liste der ASINs für die Produkte, die Sie verkaufen möchten

Zur Beschleunigung dieses Prozesses übermitteln Sie bitte einen Antrag pro ASIN-Familie bzw. pro Variante oder Modellnummer.

Amazon akzeptiert zwei Arten von Dokumenten zur Einhaltung von Beschränkungen, mit denen Ihre ASIN genehmigt oder reaktiviert werden kann


#10

Also ich habe ein Angebot für solche Tests aus einem chinesisen Labor vorliegen. Da stehen PRO getestetem Teil ca. 12€ für den Blei-Test, 12€ für den Cadmium Test und 50 € für den Nickeltest an. Das heißt also hast du einen Artikel der aus 10 verschiedenen Teilen besteht welche du im Fertigungsprozess zusammen setzt dann kostet dich der Test für einen Artikel ca. 750€


#11

Aber es ist ja kein Test gefordert, solange Amazon kein gegenteilig lautender Test vorliegt. Erstmal braucht ihr nur eine Konformitätserklärung.

Wenn ihr hier bei Handmade also immer dieselben Materialien verwendet, könnte ein Test eines Teils ausreichen. Gerade dann, wenn der Hersteller euch versichert, dass der Herstellungsprozess der gleiche ist.

Im Endeffekt geht es nur darum, dass ihr als Hersteller gem. § 4 Abs. 1 ProdHaftG für die Konformität haftet. Ihr müsst nicht unbedingt alles testen, ihr müsst Risk Assessment betreiben. Wenn Teil A und Teil B aus den gleichen Materialen bestehen und sich nur am Anhänger unterscheiden, dann ist es unsinnig, alles bis auf den Anhänger zu testen. Und wenn der aus der gleichen Fabrik kommt und nur ein anderes Mold verwendet, erübrigt sich das auch.

Im Endeffekt seid ihr doch bereits jetzt für die Konformität verantwortlich. Es ändert sich also überhaupt nichts. Also wirklich gar nichts.

EG Nr. 1907/2006 ist 2007 in Kraft getreten.
Wenn ihr bis jetzt nicht testen lassen habt und euch damit sicher gefühlt habt, ist das euer Problem. Wenn ihr testen wollt, dann testet. Ich lasse in Küche und Haushalt jedes Produkt testen.
Aber wie gesagt: Risk Assessment ist das Stichwort.


#12

Klingt ziemlich teuer. Den Artikel muss man dann schon ziemlich oft verkaufen. Ich habe mehrere Unternehmen in Deutschland angeschrieben und warte noch auf die Antwort.


#13

Wenn du plötzlich EU weit einen Artikel den du eventuell in großen Mengen auf Lager hast nicht mehr verkaufen darfst, geht es meist um ganz andere Beträge, dazu kommt noch was eventuell so an Strafen fällig wird wegen der Haftung, da sind dann 750.-€ ein Taschengeld.
Natürlich muss man nicht alles Testen, nur die Sachen die halt ohne hin gefährdet sind und doppelt und dreifach ist auch unsinnig.
Mfg Maxo


#14

Schon klar, aber wenn ich die konformität offiziell erkläre und dann passt es nicht ist man am Arsch. Also wäre es schon besser es wären getestete Produkte. Rechtlich safe meine ich.


#15

Danke zu dem Hinweis zu Intertek. Man muss wohl schon, um auf der sicheren Seite zu sein, zumindest einmal die Einzelteile des Schmuckstücks testen lassen. Also z.B. Verschluss, Anhänger, Kette, weil diese nicht aus der gleichen Legierung und Beschichtung bestehen.
Ich wurde wegen mehreren gleichartigen Artikel angeschrieben, die aus 2 Metallteilen bestehen.
Nickeltest hatte ich schon mal selbst gemacht. Das ist natürlich nichts offizielles.


#16

Naja, ob du dich wirklich in rechtlicher Sicherheit wähnen kannst… Ich bin kein Experte, was die REACH-Verordnung angeht, aber ob ein einmaliger Test ausreicht, um im Zweifel alles von sich weisen zu können? Fragwürdig.

Intertek ist einfach nur meine Wahl, weil die damals am günstigsten waren und seitdem bin ich da kleben geblieben. Hatte im anderen Thread auch noch den TÜV, Bureau Veritas und SGS erwähnt. Du findest auch in Asien Prüflabore, die eventuell günstiger sind. Wenn du dort einen Supplier haben solltest, vielleicht auch über den. Chinesen sind meistens gut vernetzt.

Trotzdem schonmal stark von dir. Meine Freundin hat auch riesige Probleme mit nickelhaltigem Schmuck. Bei den Ohren ist das schon uncool, aber sie hatte auch mal (vermeintlich) nickelhaltigen Bauchnabelpiercingschmuck (nennt man das so?) und das hat sich dann sogar entzündet.

Deswegen: Cool, dass du da hinterher bist. Deine Kunden werden es dir sicherlich danken. Und genau das trifft ja auch den Telos der REACH-Verordnung. Dieses Ziel möchte der Gesetzgeber damit erreichen. Auch wenn man die Sache sicherlich wirtschaftsfreundlicher gestalten könnte. :sweat_smile:


#17

Wir haben es mal so formuliert, was meint Ihr dazu?

Konformitätserklärung REACH:
Wir sind im Sinne der REACH-Verordnung ein sogenannter „Nachgeschalteter Anwender“, da wir Chemikalien weder herstellen noch importieren. Somit unterliegen wir weder Registrierungspflichten gem. REACH noch der Pflicht zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern.

Zudem enthalten nach unserem Kenntnisstand, auf Basis der Informationen unserer Lieferanten, unsere Produkte derzeit keine Stoffe oberhalb 0,1 Masse-%, die in der sogenannten „Kandidatenliste“ gemäß Artikel 59 (1, 10) der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 („REACH“) aufgeführt sind. In unserem Fall werden die REACH-Grenzwerte Nr. 23, 27 und 63 des Anhangs XVII der REACH-Verordnung der EU für Cadmium, Nickel und Blei eingehalten, siehe Anlage unseres Lieferanten.

Bitte beachten Sie, dass diese Angaben nur für Erzeugnisse aus Neuware gelten. Um die Lieferkette abzusichern und im Interesse höchster Produktsicherheit fordern und verfolgen wir die Umsetzung von REACH auch auf Seite unserer Lieferanten. Die Zusicherung der REACH Konformität ist Teil unserer Lieferantenqualifikation.

Name des Unternehmens: …
Verkäufer-/Händler-ID: …
E-Mail-Adresse: …
Telefonnummer:
EU-Marketplace-Sites, auf denen Sie Ihre ASINs weiterhin anbieten möchten: …
ASINs für: …


#18

Ich habe heute Angebote aus deutschen Labors erhalten, die natürlich preislich über dem chinesischen Labor liegen. Danke jedenfalls für deinen Hinweis.


#19

Ich warte gerade auf Antwort von Amazon, bei mir wären 1500 Artikel betroffen. Die Bestätigung das meine Artikel REACH Konform sind, wäre nicht das Problem, aber ich kann denen ja unmöglich 1500 einzelne Mails hinschicken.


#20

Für viele von Euch ist REACH nur eine Seite der Medaille und man sollte sich mit dem LFGB (Lebens- und Futtermittel-Gesetz-Buch) auseinandersetzen, das auch die “sonstigen Bedarfsgegenstände” regelt.

Sonstige Bedarfsgegenstände sind verkürzt gesagt alles, was mit Lebensmitteln, Körperpflegeprodukten, Haut, Schleimhaut und Kindern in Kontakt kommt. Hier werden grosse Teile der REACH-VO in nationales Recht umgesetzt.

Wer sich auf seinen Vorlieferanten verlässt, sollte sich die REACH-/LFGB-Konformität schriftlich bestätiigen lassen - aber NUR, wenn der Lieferant in der EU sitzt!!!

Eine Bestätigung eines Nicht-EU-Lieferanten ist das Papier nicht wert. Und wenn der Lieferant mit Zertifikaten ankommt, muss man diese Zertifikate (eigentlich sind es Prüfberichte) auf Echtheit prüfen, denn rund um den Erdball werden diese Prüfzertifikate gefäscht. Ebenso sinnlos sind die vielfach verbreiteten Rohstoff-Prüfberichte.

Bringe ich solche Produkte hier auf den Markt, gelte ich als Hersteller und muss im Zweifel belegen können, dass alles okay ist und ich meiner Sorgfaltspflicht nachgekommen bin.

Sowas endet regelmässig - und zunehmend öfter - in schmerzlichen Anordnungen wie z.B. “Vernichtung aller Ware und Rückruf aller verkauften Artikel vom Endverbraucher”. Heisst also, alle Kunden anschreiben, Kaufpreis + Rückversand erstatten.

Hier mal so eine europaweite Anordnung aus dem RAPEX-System: